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Super-Marktkultur

Nach Pandemie und Digitalisierungsschub sollte man langsam fragen, wie die Versorgung mit Lebensmitteln in naher Zukunft architektonisch aussehen wird. Die Schritte in eine erweiterte Super-Marktkultur sind unübersehbar. Bei wachsendem Onlinehandel scheinen Supermärkte eventuell überflüssig – oder wer kommt in ein paar Jahren noch mit Einkaufstasche aus einem Super-Was?

Auch wenn das Tempo der anstehenden Veränderungen im Bereich der Supermärkte, in der Struktur und Art ihrer Räume und damit auch in Funktion und Aussehen letztlich langsamer verlaufen wird, lohnt es sich spätestens jetzt Themen zu bedenken, die eine große Rolle spielen werden.

Was anders werden könnte

Die Digitalisierung des Einkaufens wird die Anforderungen an gebaute Supermärkte weniger auf die Masse als auf die Klasse der Präsentation von Waren lenken. Alternativ könnten klassische Supermärkte aus unserem Blickfeld verschwinden und durch feingestrickte Lieferservicenetze ersetzt werden. Warum nicht? Räumlich braucht es dann eher Umpackstationen oder Zwischenlager. Die müssten kaum noch hübsch aussehen bzw. könnten auch einfach gänzlich unter der Erde angesiedelt werden.

Mit der Mobilität der Zukunft verschieben sich die Gestaltungsaufgaben. Ladezeiten von E-Autos dauern ungefähr so lange wie ein durchschnittlicher Einkauf. Die gestalterische Schnittstelle zwischen Supermarkt, Ladestationen und entsprechenden Trafohäusern wird den Raumbedarf eines Marktes und seine Fassaden in Zukunft wohl radikaler beeinflussen.

Ob weiterhin städtische Nachverdichtung um, auf und mit Supermärkten betrieben wird, hängt vom Verhandlungsgeschick städtischer Stellen ab und davon, ob den Architekten bessere Funktionshybride einfallen als bisher. In dieser Aufgabe steckt enormes Gestaltungspotenzial.

Was eher selten thematisiert wird sind Sanieren, Umbau und Abriss bestehender Supermärkte. Was geschieht mit den vorhandenen Märkten? Wer entwickelt neuerliche Nutzungskonzepte für die vorhandenen Raumressourcen?

Architektonisch weiterdenken

Eventuell werden sich neue Typologien aufgrund dieser Veränderungen entwickeln. Sicher ist, dass sich langsam eine Super-Marktkultur zeigt, die räumliche Neuheiten fordert. Andreas Dworschak und seine archinauten haben bisher über 45 Märkte für einen Lebensmittelkonzern geplant und umgesetzt. Sie haben damit begonnen, die genannten Themen weiterzudenken. Ein Beispiel: Laut Dworschak bleibt ein normaler Supermarkt zwischen 10 bis 15 Jahre am selben Ort wirtschaftlich. Wohnen funktioniert bedeutend länger. Mit kleineren Verkaufseinheiten – Frisch- und Feinkostware – und anderen Warenlagerstrukturen könnte die Kombination aus beidem resilienter gestaltet werden. In manchen Orten sei allerdings, so Dworschak, genau das Gegenteil die richtige Idee. Größere Flächen für einen Supermarkt, der dann eine wirtschaftlich funktionierende Anzahl an Kleinstwohnungen auf seinem Dach ermöglicht. Krasser ist ein anderes Experiment: Am Linzer Pöstlingberg wird ein Markt der archinauten so in den Hang gesetzt, dass auf seinem Dach eine landwirtschaftliche Nutzfläche entsteht. Kühe grasen also demnächst auf dem Dach, während Milch in Flaschen verpackt ein Stockwerk tiefer verkauft wird.

Ständig neue Herausforderungen

Es gäbe in dem Metier ständig neue Herausforderungen und Ideen, sagt Dworschak. „Es wird zum Beispiel vieles ausprobiert, das Haptik und Gerüche in den Vordergrund stellt. Gustieren wird gerade zum neuen Stichwort der Branche. Wir experimentieren dennoch eher mit Grundriss, Form und Fassaden.“ In Linz würden sie einen elliptischen Markt bauen, der bewusst keine Rück- oder Vorderseiten hat. Dadurch entstehen keine toten Winkel oder Müllecken. Auch die klassische Hinterhofödnis mancher Einkaufshalle wird vermieden. Gebautes Beispiel für diese Art des Umgangs mit räumlicher Umgebung ist ein Supermarkt im oberösterreichischen Schwanenstadt, ebenfalls von den archinauten entworfen. Er verfolgt ein ähnliches Ziel wie der neue elliptische Markt in Linz, erreicht dieses aber per Fassadengestaltung. Man verwendete rundum ein Material und vermied dadurch, dass der Markt einer Wohnsiedlung seinen Rücken zukehrt. Zu allen Seiten werden die Gehwege und Zwischenräume mit der gleichen Fassadenatmosphäre versehen.

Als serielles Produkt mit verdeckter Befestigung passte das eloxierte Zackenprofil von PREFA deshalb dem Architekten gut. Eine solche Oberfläche braucht kein aufdringliches, expressives Gebäude. Die Spannung erzeugt das Material selbst, indem es wechselhafte Lichteffekte zeigt.

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EUROSPAR Schwanenstadt

Land: Österreich
Objekt, Ort: Supermarkt, Schwanenstadt
Kategorie: Neubau
Architektur: archinauten
Verarbeiter: Wiesinger Bau GmbH
Material: ➔ Zackenprofil
Farbe: Bronze

Text: Claudia Gerhäusser
Fotos: © Croce & Wir

CLUE

PREFA hat mit der Dialog-Plattform PREFARENZEN ein Forum zur Weiterentwicklung innovativer und architektonisch hochwertiger Dach- und Fassadenlösungen aus Aluminium geschaffen.

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