Christian Mang

Nachgefragt: Christian Mang | Mang Architekten

Ein Plädoyer für mehr Risikobereitschaft und Qualitätsbewusstsein

Unsere Serie „Nachgefragt“ versucht, von Zeit zu Zeit, das über die Jahre hinweg stetig gewachsene PREFARENZEN Adressbuch wieder hervor zu holen, um mit Architekten und Büros, die in der Vergangenheit bei uns publiziert wurden, erneut ins Gespräch zu kommen. In dieser ersten Ausgabe haben wir uns mit Christian Mang vom niederösterreichischen Büro Mang Architekten, die ihren Firmensitz in Furth bei Göttweig haben, unterhalten. Das von Mang geplante und umgesetzte Weinkompetenzzentrum in Krems zierte das Cover des ersten PREFARENZEN Architekturbuches im Jahre 2015. Im damaligen Interview sprach sich Christian Mang vehement für den Bildungsauftrag heutiger Architekten gegenüber der nachkommenden Generationen aus. Fünf Jahre später entspricht dies noch immer seinem Arbeitsethos, weshalb wir uns mit ihm, u.a., über ein kürzlich abgeschlossenes, vorbildlich nachhaltiges Volksschulprojekt unterhalten haben.

Weinkompetenzzentrum Krems

Weinkompetenzzentrum Krems, Niederösterreich

Spenglerei: Firma Hintenberger
Material: Prefalz
Ausführung: Aluminium naturblank

Planerische Besonderheiten

Das Weinkompetenzzentrum Krems ist ein schulischer Kellereibetrieb, der sich zwischen der Wachauer Natur und der städtischen Randzone angesiedelt hat. Hier gehen Ausbildner, Schüler, interessierte Besucher und Winzer ein und aus. Neben dem schulischen Kellereibetrieb mitsamt Seminarräumen und einer laborartigen Weinprüfstelle, befindet sich auch noch ein Verkaufsraum im Gebäude, welches somit Aspekte der Weinproduktion mit jener der Qualitätssicherung spielerisch miteinander unter einem Dach vereint. Ähnlich der für die Region typischen Smaragdeidechse, wurde sich ganz gezielt für die ‚metallische Außenhaut‘ entschieden.

Wir befinden uns in einer Zeit, in der viele nur mehr auf Nummer sicher arbeiten, was mit sich gebracht hat, dass man gleichzeitig Architektur produziert, die alles ausspart, was nicht wirtschaftlich erklärbar ist, weil oftmals die Herstellungskosten der fast alles bestimmende Faktor in Teilbereichen der Architektur ist. Dies ist einerseits eine Herausforderung, jedoch andererseits im Hinblick auf die optisch nachhaltige Gestaltung unseres baulichen Umfeldes sehr schade. Wir sollten uns mehr in Richtung Qualität vor Quantität bewegen.

Weinkompetenzzentrum Krems

Das Weinkompetenzzentrum Krems in Retrospektive

Wie Herr Mang selbst, sind auch die Betreiber des Weinkompetenzzentrums unter Direktor Faltl immer noch stolz auf das Gebäude und den Glanz seines äußeren Erscheinungsbildes. „Das hängt wesentlich mit der blanken Metallfassade und ihrer natürlichen Maserung zusammen“, erklärt uns der Architekt und fügt hinzu, dass „das Weinkompetenzzentrum in diesem ganzen Umfeld an verputzten Oberflächen immer noch – ich will nicht sagen ein Alleinstellungsmerkmal – aber eine gewisse Sonderstellung hat.“

Mir ist es immer ein Anliegen, Kindern und Jugendlichen ein ansprechendes Raumgefühl zu vermitteln. Sie sollen ansprechende Architektur unmittelbar erleben, um auch später in der Lage zu sein, qualitativ unterscheiden zu können.

Volksschule Sierndorf

Volksschule Sierndorf, Niederösterreich

Spenglerei: Firma Drascher
Material: 2000m2 Prefalz
Ausführung: Bronze

Architekturvermittlung und Bildungsraumschaffung

Das niederösterreichische Büro hat bisher ganze zwölf Projekte für Kinder und Jugendliche umgesetzt und erst kürzlich die Volksschule in Sierndorf (Niederösterreich) abgeschlossen. Letztere hat für ihre schon planerisch angedachte und schlussendlich umgesetzte Nachhaltigkeit, einschließlich der 2000 m2 Dacheindeckung mit Prefalz, eine Gold-Auszeichnung der Plattform klimaaktiv – einer Gebäudedatenbank, die von der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) geführt wird und vom Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie (BMK) initiiert wurde – verliehen bekommen. Dies entspricht 952 von 1000 möglichen Punkten auf der klimaaktiv-Skala und bewertet neben der „Energieeffizienz auch die Planungs- und Ausführungsqualität, die Qualität der Baustoffe und Konstruktion sowie zentrale Aspekte zu Komfort und Raumluftqualität.“
Christian Mang beschreibt die Arbeit an Bildungsräumen so: „Es ist ein Bereich, wo man, wenn es die Bauherrschaft mitträgt, eine gewisse Gestaltungsfreiheit erlangen kann. Wenn die Beteiligten mitbekommen, dass das für Kinder und deren Entwicklung gut ist, kann man diese gestalterische Freiheit den ganzen Projektverlauf hindurch halten, speziell auch in puncto Innenraumgestaltung.“
Damals wie heute empfindet Herr Mang es als unumgänglich den Kindern und Jugendlichen etwas durch Architektur zu vermitteln, denn sie sind die Bauherren und Entscheidungsträger von Morgen: „Wenn die Kinder von heute, die einmal die Großen der Zukunft sein werden, mit einem gewissen Anspruch an Architekturqualität aufwachsen, ist Architektur für sie künftig vielleicht selbstverständlicher.“

Sein eigenes architektonisches Schaffen steht für ihn im Dienste der Wahrnehmung künftiger Generationen. Im selben Atemzug erwähnt Herr Mang aber auch, dass er sich manchmal eine größere Aufgeschlossenheit gegenüber atypischeren Lösungsansätzen in der Gegenwart wünsche: „Jedes gelungene Schulbau- oder Kindergartenprojekt ist ein Beitrag zu einer positiven Architekturentwicklung und zukünftiger Entscheidungsträger mit Affinität zu angemessener Architekturqualität.“ Darüber hinaus sieht Christian Mang einen großen Handlungsbedarf im österreichischen Osten und seiner unmittelbaren Umgebung hinsichtlich der Aufgeschlossenheit gegenüber nachhaltigerer und von der Norm abweichender Architektur: „Wenn ich unterwegs bin, schaue ich mir gerne bewusst Gebäude an – in Südtirol, in Vorarlberg und in der Schweiz. Da sind viele gute Beispiele dafür vorhanden, dass man, wenn man mit einer sehr hohen Qualität in diese Projekte hineingeht, großen Mehrwert für alle Nutzer schaffen kann. Das wird dann bewusst gemacht!“ Ebenso verhält es sich mit der Planung und Umsetzung von Bildungsräumen: „Diese müssen eine Atmosphäre erzeugen, in der sich Kinder und Jugendliche wohl fühlen – das entspricht meinem Credo.“ Anders formuliert, so wie es mancherorts seitens der Politik und der Gesellschaft schon längst gefordert wird, sagt Mang: „In Südtirol oder im Westen ist man diesbezüglich gedanklich wie planerisch einfach schon weiter.“

Volksschule Sierndorf

Die VS Sierndorf und das Thema Nachhaltigkeit

Um unausweichlich bevorstehenden, klimatischen Entwicklungen entgegenarbeiten zu können, sieht Christian Mang es als ein Muss an, energiesparend und -sparsam zu errichten. Seiner Ansicht nach sei es jedoch eine Glaubensfrage seitens der Architekten und Planer, für welches Material man sich für spezifische Umsetzungen schlussendlich entscheide: „Es muss zumindest eine Nachhaltigkeit, was die Energiekosten betrifft, geben sowie eine, die die Baustoffe selbst anbelangt. Es ist besser in einen hochwertigeren Baustoff oder Material zu investieren, und sich dafür eine gewisse Langlebigkeit zu erkaufen, um so gleichzeitig eine Wertbeständigkeit in der Optik zu erhalten. Das ist für mich das Entscheidende. Es gibt Fassaden, die im Alterungsprozess zusätzlich gewinnen, während andere Oberflächen und Details schon nach kurzer Zeit optisch stark verlieren. Wir haben PREFA damals beim WKZ sicherlich aus gestalterischer Sicht heraus gewählt und verwendet. Ein Argument war allerdings die gebotene Langlebigkeit. Und bei der VS Sierndorf haben wir es genau deshalb genauso gemacht. Hinzu kam hier, dass ein Aluminiumdach optisch eine sehr ruhige Fläche ist, weil man, von unten betrachtet, die Neigung dadurch sehr flach halten kann. Das Material ist zudem extrem leicht und war in dem von uns gewünschten Farbton Bronze sofort verfügbar.“

Mang Architekten

Das eigene Schaffen, Trends und Ein-/Aussparungen

„Wenn ich es rein auf die umgesetzten Dächer beziehe, hat das eigene Schaffen in den letzten fünf Jahren größtenteils aus Flachdächern bestanden. Langsam kommt ein neuer Trend auf – also es wird anders werden, darüber bin ich mir sicher – weil ich gerade Projekte vorbereite, wo man durchaus wieder vom Flachdach weggeht und mit geneigten Dächern arbeitet.“ Christian Mang erachtet es dennoch oft als schwierig, dies bei der Bauherrschaft durchzubringen – selbst im Wohnbaubereich – weil es schlussendlich immer eine Geldfrage bleiben wird. Seinen eigenen Arbeitsethos beschreibt er so: „Generell bemüht man sich, das Beste in der vorhandenen Zeit und unter den budgetären Rahmenbedingungen architektonisch umzusetzen“, während er und seine Mitarbeiter, alle auf ähnliche Weise, einen rasanten Anstieg des Tempos von Projektabläufen und -umsetzungen wahrgenommen haben wollen. Und abseits davon: „Hat man in vielen Bereichen ein gewisses Heruntersparen bemerkt. So unter dem Motto: ‚Alles muss noch leistbarer werden!‘ Gleichzeitig aber sind die Ansprüche gestiegen. Irgendwie war und ist das komisch, weil die Vorgaben von der Gesetzeslage her, und der Wohnbauförderung aus, doch sehr hoch sind – Barrierefreiheit, all diese G’schichten. Und gleichzeitig verliert man an Qualität, weil dadurch die Zimmer stetig kleiner werden. Und für andere Aspekte, wie für die Außengestaltung, den Grünraum, etc., bleibt kein Budget mehr. Wir befinden uns in einer Zeit, in der viele nur mehr auf Nummer sicher arbeiten, was mit sich gebracht hat, dass man gleichzeitig Architektur produziert, die alles ausspart, was nicht wirtschaftlich erklärbar ist, weil oftmals die Herstellungskosten der fast alles bestimmende Faktor in Teilbereichen der Architektur ist. Dies ist einerseits eine Herausforderung, jedoch andererseits im Hinblick auf die optisch nachhaltige Gestaltung unseres baulichen Umfeldes sehr schade. Wir sollten uns mehr in Richtung Qualität vor Quantität bewegen.“

Mang Architekten
Text und Interview: Marlon T.L. Fink
Objektfotos Krems und Mang Porträt: Croce und WIR
Objektfotos Sierndorf: Martin Croce
Mang Porträt Büro und Bürogebäude: Kurt Hörbst
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PREFA Produkt-Direktlinks

Hier finden Sie die im Artikel angeführten Produkte:
➔ Dachsystem Prefalz

CLUE

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