Bratislava – Industriedenkmal neu interpretiert

– ein fünfstöckiger vormaliger Gärkeller

Dem slowakischen Architekturbüro Bouda Masár gelang eine anspruchsvolle Aufwertung des denkmalgeschützten Spilka-Gebäudes. Spilka, das bedeutet übersetzt ‚Gärkeller‘ oder ‚Räumlichkeiten für die Fermentierung‘. Die Rekonstruktion des Kuppeldaches und die damit verbundene Modernisierung des gesamten Gebäudes auf dem geschichtsträchtigen Areal der vormaligen Stein-Brauerei sind das sehenswerte Resultat. Nicht zuletzt, weil die Kuppel dank der Prefalz-Bekleidung in P.10 Patinagrün wieder mit der Strahlkraft vergangener Tage erscheint.

Das Wesen der Architektur ist, über das rein Zweckhafte hinaus eine Aussage zu machen, die den Menschen berührt.

Alexander Freiherr von Branca

Nur einen Steinwurf entfernt

Andere Wahrzeichen vergangener Epochen sind typischerweise Kirchen. Zum Beispiel die schlicht moderne evangelische Kirche, die unter der Leitung vom Architekten Milan Michal Harminc erbaut wurde. Sie wird dem traditionellen Funktionalismus zugeschrieben. Unverkennbar thront auf ihrem Turm ein historisches Kupferdach inklusive ausgebildetem Kreuz. Dies nahm einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Materialwahl für die Spilka-Kuppel, „für welche zuerst eine Bekleidung in dunkelgrauem Zink geplant war“, erzählt Architekt Ivan Masár. Für Prefalz in P.10 Patinagrün entschied man sich, „weil die Optik der letzten beiden historischen Gebäudebestände des gesamten Häuserblocks gewahrt werden sollte“. Es gibt kein anderes Material, das im Bereich des Denkmalschutzes die Vorzüge von Farbigkeit und Permanenz derartig aufweist.

Kollaboration ist der Weg

Der PREFA Objektberater und Ingenieur Gabriel Boros berichtet stolz: „Wir arbeiteten in einem Team, in welchem die Kollaboration als oberste Priorität galt“. Das Projekt war “von einem stetigen Austausch konstruktiver Gedanken und unterschiedlicher Betrachtungsweisen“ begleitet. Betrachtungen der Architekten, die sich aus einer Tradition kommend gleichzeitig von dieser zu lösen suchten. Jener der Historiker und Denkmalschützer, die man konsultierte, weil man gemeinsam den Erhalt dieses Industrieerbes als selbstverständliches Anliegen empfand. Und nicht zuletzt jener der erfahrenen Spezialisten vom Generalunternehmer Global System, denen Boros in der Ingenieurskunst tatkräftig zur Seite stand.

Ein Verwaltungsgebäude in unsteten Zeiten

In Kooperation mit dem Immobilienentwickler MiddleCapnahmen sichdie Architekten dem Projekt an als die Bauarbeiten am planierten Areal rundherum schon in vollem Gange waren. Unter der Leitung von Architektenkollege Ivan Kubík entstand das schlicht benannte, neue Quartier Stein 2. Direkt daran angrenzend und gewissermaßen als ein Teil davon, entstanden im Spilka-Gebäude →Büroflächen mit knapp 2.100 m2 auf fünf Etagen. Die Kuppel, die für den Funktionalismus typischen vielzelligen Fensteröffnungen und selbst erhaltene Fragmente in den Innenräumen – die weiß gefliesten Pilzköpfe der Säulen und Teile der Gärbecken – konnten zweckdienlich übernommen werden.

Das unüberschaubare Wirrwarr an Rohren, Schläuchen- und Kabelwegen ist nun einer klaren und erhabenen Reduktion gewichen.Nicht verwunderlich, denn Peter Bouda und Ivan Masár sind gebürtige Hauptstädter und somit tagtäglich mit der beeindruckenden Architektur vorheriger Architektengenerationen konfrontiert. Vielleicht liegt ihnen deshalb diese Spielart der daran orientierten Revitalisierungen so gut? Ihre vorangegangenen Projekte zeugen jedenfalls gleichermaßen davon – die Burg Bratislava und das Gebäude der ehemaligen ungarischen Handelskammer in der Straße →Gorkého Nummer 4. Momentan ist man unter anderem mit Plänen zur Gestaltung der Innenräume für zwei der Spilka-Stockwerke beschäftigt.

Róbert Michalica, Leiter der MiddleCap Real Estate Slovakia, ist sich aufgrund der Pandemie und den veränderten Anforderungen an administrative Räumlichkeiten darüber bewusst, dass sie „künftig nicht mehr ausschließlich über die Faktoren Standort oder Design bewertet werden können“. Er hält aber daran fest, dass „den Raumhöhen von bis zu fünfeinhalb Metern eine Schönheit inne wohnt, die es möglichst vielseitig zu bespielen gilt“. Insbesondere nach der Pandemie. Erste Schritte in diese Richtung konnten bereits gemacht werden: Die von Bouda Masár und dem derzeitigen Leiter der slowakischen Architektenkammer Ilja Skoček Jun. gemeinsam gestalteten Räumlichkeiten im Erdgeschoss und Keller sind an die bekannte tschechische Brauerei Svijany vermietet worden. Umso schöner, wenn sich manches wiederholt – wie das Weiterführen architektonischer Funktionen und die Revitalisierung von Industriearchitektur. Respektvoll, versteht sich.

Wiederaufbau des Kuppeldaches

Seit Mitte der 1950er Jahre wurde die Spilka-Kuppel mit ihrer Spitze in 36,43 Metern Höhe zum Wahrzeichen des Stadtviertels Blumentál. Zwischen 1872 und der Schließung der Brauerei 2007 umfasste das Gelände mehrere Häuserblocks und unterschiedlichste Zweckgebäude zur Lagerung und Verarbeitung von Hefe. Ein Gros dieser verfiel danach jedoch zusehends. Nur die Spilka wurde unter Denkmalschutz gesetzt. Alle anderen Gebäude wichen dem multifunktionalen Wohn- und Büroquartier Stein 2. Die Rekonstruktion der Kuppel startete man 2017 umgehend nach den ersten detaillierten Begutachtungen mit dem Abtragen ihrer Kupfer-Außenhülle. Trotz der aggressiven Umgebungsbedingungen hat die Stahlbetonschale erstaunlicherweise keine ihrer statischen Eigenschaften verloren. Nach der Entfernung von biologischen Verunreinigungen wie Moosen, Flechten und Vogelmist, begann man mit der Sanierung der Oberfläche.

Gabriel Boros und Norbert Štefan, der Projektleiter der Kuppelrekonstruktion, erarbeiteten gemeinsam einen genialen Entwurfsvorschlag zur Erhaltung des Erscheinungsbildes. Ingenieur Štefan sagt rückblickend: „Vor Beginn unserer Arbeiten führten wir Zugversuche zum Test der Beständigkeit der Kuppel durch. Wir machten diese in allen Höhenstufen und von allen Seiten aus“.

Unter der 0,7 mm starken Prefalz-Aluminiumhaut sind nun im Vergleich zur ungedämmten, historischen Ausführung folgende Schichten: Asphaltstreifen; eine Flächenschalung aus passgenau zugeschnittenen Holzsparren; ein Hinterlüftungsspalt; Sicherheitsdiffusionsfolien; eine Untersparrendämmung mit Mineralwolle; das Fachwerk aus einem Holzgerippe und L-Stahlprofilen; eine Dampfsperre aus SBS-modifizierten und selbstklebenden Asphaltstreifen mit Aluminiumfolie; eine Grundierung aus Reparaturmörtel, um der leichten und nur puntkuell aufgetretenen Porosität langfristig entgegenzuwirken; und zu guter Letzt die beibehaltene ursprüngliche Haupttragstruktur aus Stahlbeton.

In der letzten Phase wurde eine Dachrinne als logischer Endpunkt der zur Terrasse leicht heruntergezogenen Fassade installiert. Das Dach wiederum ist durch Schneefänge und zusätzliche Schneesperren gegen alle Himmelsrichtungen abgeschlossen. Der Vorteil dabei: PREFA liefert selbst diese in der Ausführung P.10 Patinagrün.

Im neu-alten Antlitz

Abschließend muss man festhalten, dass die ganzheitliche Umsetzung technisch am Puls der Zeit und historisch akkurat gelungen ist. Am besten symbolisiert dies ein architektonischer Kniff der Herren Bouda Masár – eine umgekehrte Glaspyramide wurde durch eine Konstruktionsöffnung im Scheitelpunkt der Kuppel installiert. Ivan Masár erzählt uns, dass „mithilfe eines darin platzierten Spiegels tagsüber Sonnenlicht ins Innere der Kuppel reflektiert wird. Und auch nachts wird die Innenbeleuchtung nach historischem Vorbild in den Himmel Bratislavas und das revitalisierte, ehemalige Stein-Areal transportiert“.

Text & Interviews: Marlon T. L. Fink
Foto: Martin Croce, Gabriel Boros, Peter Bouda & Ivan Masár, Stefan Cipar & Martin Matula 
Rendering: Peter Bouda & Ivan Masár
Archivaufnahmen: KPU Bratislava (Denkmalschutzbehörde)
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