Aluminium trifft Holz: Der Musikpavillon in Kirchdorf

Ein extraordinärer Solitär

Die Tiroler Architekten Markus Fuchs (MF Architektur ZT GmbH) und Michael Fuchs (parc architekten) realisierten 2017 den Musikpavillon Kirchdorf in silbermetallicfarbenem Prefalz im Zuge einer weitreichenden Umgestaltung des zentralen Gebäudeensembles bestehend aus Volksschule, Kindergarten, Dorfsaal und Turnhalle.

Visionäres Projekt für eine wachsende Gemeinde

„Der gewonnene Wettbewerb zur Neugestaltung des Gebäudeensembles war der Startschuss für ein sich über mehrere Jahre hinweg erstreckendes Bauprojekt“, erzählen Markus & Michael Fuchs. Zwischen 2012 und 2018 zählten hierzu der Ausbau und die Übersiedelung der Volksschule, der Einzug des Kindergartens in die frei gewordenen Räumlichkeiten samt Aufstockungs- und Sanierungsarbeiten, aber auch der Abbruch von Altbestand. Die Architekten Fuchs erinnern sich, dass nach dem Abbruch „plötzlich dieser zentrale Platz in seinem vollen Maße überhaupt erst greifbar wurde.“ Gemeinsam mit dem Bauherren erkannten die beiden Architekten schnell das Potenzial dieses Platzes, verwarfen den ursprünglichen Plan und passten ihn den neuen Gegebenheiten an. Der Solitär in seiner jetzigen Form konnte so überhaupt erst konzipiert werden. Zudem vollzogen sie eine von Anfang an mit eingeplante räumliche Nachverdichtung – ein Mitgrund für den Sieg beim Wettbewerb – und zwar die Bibliothekserweiterung, die Raumschaffung für eine Kinderkrippe, der Anbau einer öffentlichen Sanitäranlage beim Dorfsaal und die Gestaltung einer Bar im Außenbereich, die an die Turnhalle angebaut wurde. So konnte die Infrastruktur für künftige Veranstaltungen im neuen Ortszentrum gewährleistet werden. Wie der Architekt berichtet, befindet sich Kirchdorf in einer spürbaren Wachstumsphase, was die aktuellen Arbeiten an einer von ihm entworfenen Anlage im Ort mit über 30 neuen Wohnungen belegt. Umso wichtiger erscheint es rückblickend, dass dem Ort von den Architekten Fuchs ein so würdiges Zentrum gegeben wurde.

Wir planten den Solitär von seiner Architektursprache her so, dass er den Platz mit dem Gebäudeensemble, das so als eine Art Fassung fungiert, in Richtung der kreuzenden Dorfstraße hin und in Form eines Edelsteins abschließt.

Musikpavillon in Kirchdorf

Massives Holzfaltwerk und filigrane Aluminiumkantungen

Die Umsetzung eines Holzfaltwerks war von Anfang an beschlossene Sache, jedoch stellte es die Architekten vor die Herausforderung, die bis zu 18 Meter langen Spannweiten des Pavillons derart zu gestalten, dass sie den hohen Schneelasten im Winter standhalten. Neben einem nur 20 cm dünnen, aus miteinander verbundenen Massivholzelementen bestehenden Faltwerk, besitzt der markante Solitär auf einer Außenfläche von 400 m² eine silbermetallic Prefalz-Deckung. „Wir planten den Solitär von seiner Architektursprache her so, dass er den Platz mit dem Gebäudeensemble, das so als eine Art Fassung fungiert, in Richtung der kreuzenden Dorfstraße hin und in Form eines Edelsteins abschließt“, erzählen die Architekten. Die Ausführung von Prefalz in silbermetallic entsprach am ehesten der Grundidee der Architekten zur Farbigkeit des Solitärs. Durch das geringe Gewicht zum einen und die Widerstandsfähigkeit zum anderen war die Materialwahl somit schnell getroffen. Die Architekten loben den ortsansässigen Spengler Hörhager, der „mit der Umsetzung der filigranen Kantungen entlang der Außenhaut des Pavillons, die das Holzfaltwerk des Innenraums nach außen hin übertragen, super Arbeit geleistet hat. Rein handwerklich betrachtet, kommt für so lange Bahnzuschnitte und Faltungen kein anderes Material in Frage.“

Raytracing: Schallberechnungen und ein markantes Design

Dr. Maleczek, der am Institut für Design im Bereich Konstruktion und Gestaltung der Universität Innsbruck tätig ist, stand den Architekten mit wertvollen Inputs zur geometrischen Gestaltung des Holzfaltwerks beratend zur Seite. Das für das Gesamtprojekt verantwortliche Statikbüro IB Hanel holte kurzerhand den Wiener Statiker Stefanoudakis an Bord, wodurch die Tragfähigkeit der Konstruktion schlussendlich geplant und umgesetzt werden konnte. Die Zusammenarbeit mit der ausführenden Holzbaufirma konnte dahingehend vereinfacht werden, dass die einzelnen Bauelemente, die im Raytracing-Verfahren modelliert und designt wurden, direkt im Werk mit einer CNC-Fräse zugeschnitten werden konnten. Die partielle digitale Anpassung des geometrischen Grundentwurfs hinsichtlich des Schallreflexionsverhaltens wurde zudem durch ein und dasselbe Verfahren immens vereinfacht. Für diese akustisch feinfühlige Raumoptimierung unterstützte das traditionsreiche Münchner Akustikbüro Müller BBM die Architekten. Mithilfe des Raytracing-Verfahrens wurde bereits renommierten Bauten wie dem Opera House in Sydney, dem Mariinsky II Theater in St. Petersburg oder dem Innsbrucker Haus der Musik klanglich zu optimalen Ergebnissen verholfen. Das Klangerlebnis in Kirchdorf ist für Musiker, Chöre und Redner sowie für das Publikum ein einzigartiges, denn es sind weder Schallabsorber im Einsatz noch bedarf es einer übermäßigen Signalverstärkung. So bleibt das Holz in seiner lediglich lasierten Pracht weitgehend sichtbar und ein Gros des im Pavillon produzierten Schalls kann auf der Bühne und über den gesamten Platz hinweg ertönen – ganz gleich, ob er von Blasmusikkapellen, Kinderchören oder klassischen Ensembles produziert wird. Die Architekten Fuchs resümieren: „Durch diese großartige Zusammenarbeit ergab sich letzten Endes die einzigartige Begegnungszone, die es der gesamten Gemeinde – von jung bis alt – ermöglicht, zusammen zu kommen.“

Musikpavillon in Kirchdorf
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Musikpavillon in Kirchdorf

Land: Österreich
Objekt, Ort: Musikpavillon, Kirchdorf in Tirol
Kategorie: Neubau
Architektur: MF Architektur ZT GmbH + parc architekten
Verarbeiter: Spenglerei Markus Hörhager
Material: ➔ Prefalz
Farben: Silbermetallic

Text & Interview: Marlon T.L. Fink
Fotos: Martin Croce
Lageplan und Ansichten des Solitärs: Markus Fuchs (MF Architektur ZT GmbH) und Michael Fuchs (parc architekten)

CLUE

PREFA hat mit der Dialog-Plattform PREFARENZEN ein Forum zur Weiterentwicklung innovativer und architektonisch hochwertiger Dach- und Fassadenlösungen aus Aluminium geschaffen.

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